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Mit 1.000 Erd-Bohrungen wird der Lehnsgrund „durchleuchtet“

Ein Besuch vor Ort bei den Arbeiten für den Kampfmittelräumdienst

„Solange es beim Bohren durch Erde und Steine knirscht, ist erst mal alles in Ordnung und kein Metall vor der Spindel“, beschreibt Ralf Brodner den kritischen Teil seiner Arbeit. Doch der 58-jährige Maschinist, Mitarbeiter der Firma Tauber, der die Baustelle Lehnsgrund für den Kampfmittelräumdienst NRW vorbereitet, winkt ab: „Das ist ja kein Risikogebiet hier.“

Das bestätigt Dipl.-Ing. Tobias Thiele, der als Projektsteuerer das Bauprojekt der Margarethe Krupp-Stiftung am Lehnsgrund betreut. „Die Luftaufnahmen haben keinerlei Verdachtsfälle ergeben, dass sich hier noch Munition aus dem zweiten Weltkrieg im Boden befinden könnte.“

Dennoch ist die Untersuchung des Baugrundes Pflicht. In den nächsten Wochen senken Ralf Brodner und ein Mitarbeiter das Bohrgestänge am Bagger etwa 1.000 Mal in die Erde, die einmal das Fundament für 42 Wohnungen und die neue MKS-Zentrale sowie eine Tiefgarage tragen soll.

Sechs Meter tief gehen die Bohrungen, die dann mit einem Kunststoffrohr gleicher Länge gesichert werden. Die Rohre werden dabei mehrfach genutzt und irgendwann wieder recycelt.

„Durch die Rohre werden Sonden in die Erde gelassen“, erklärt Tobias Thiele den Fortgang des Verfahrens, das jedoch parallel abgewickelt wird. Sobald eine erste ansehnliche Zahl von Bohrlöchern gebohrt und gesichert ist, wird im Untergrund sondiert, während an anderer Stelle weitergebohrt wird. Die Sonden erzeugen ein Magnetfeld mit einem Durchmesser von 75 bis 80 Zentimetern. Entsprechend werden die Löcher so angelegt, dass mit den Magnetfeldern nach und nach der ganze Grund im Lehnsgrund erfasst wird. Dabei geht es in der Hauptsache um den Boden, der nach 1945 aufgeschüttet wurde.

„Sobald ein Magnetfeld gestört wird, ist dies ein Zeichen, dass Metall im Boden ist“, erläutert Ralf Brodner. Doch das muss beileibe noch nichts Gefährliches sein. „Um meinen Bohrer hat sich schon einiges an Metall und Drähten gewickelt“, schmunzelt der Fachmann im Bagger, der das große Gerät auch im buchstäblichen Millimeterbereich so gekonnt bedient, dass er in „Wetten dass…“ hätte auftreten können. Etwa, wenn er den oberen Teil des Bohrers auf das noch im Boden befindliche Bohrgestänge aufsetzt – alles aus dem Führerhaus des Baggers heraus.

Sollten sich durch die Sonden Verdachtsfälle ergeben, werden weitere vorsichtige Kontaktbohrungen im Umfeld durchgeführt, gegebenenfalls müssen die Fachleute vom Kampfmittelräumdienst dann mit der Schüppe weitermachen.

Nach den ersten Bohrlöchern und einer mittlerweile erzielten Vertrautheit mit dem Boden auf der Baustelle ist der Maschinist zuversichtlich, dass er mit seinem Kollegen pro Tag etwa 80 bis 100 Bohrlöcher schaffen wird. Aber auch unter diesen günstigen Voraussetzungen werden die Arbeiten dann etwa noch zwei bis vier Wochen dauern. Danach erfolgt dann die Auswertung beim Kampfmittelräumdienst, die auch noch mal einige Zeit beanspruchen wird. „Das ist nichts, was uns beunruhigen würde“, betont Tobias Thiele. „Das haben wir alles im Zeitplan berücksichtigt“.

Möchten Sie bei den Arbeiten zugucken oder sich vom Fortschritt überzeugen? Hier finden Sie die Webcam der Margarethe Krupp-Stiftung.

Zu den Bildern: Maschinist Ralf Brodner (l.) und MKS-Projektsteuerer Tobias Thiele fachsimpeln am Bohrgestänge.

Ein Maulwurf war das nicht… Bohrung, durch ein Kunststoffrohr gesichert. Etwa 1.000 wird es davon auf der Baustelle Lehnsgrund geben.

Text und Fotos: Wolfgang Hollender